Likolit Lineoleumwerk in Kohlmühle/Sa.

AndreasV

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Guten Tag,

ich war über den ersten Mai auf einer kleinen Rundreise und habe mir die ehemalige Likolit-Fabrik in Kohlmühle angeschaut. Was mich an diesem Werk beeindruckt, ist die Architektur der gesamten Anlage. Ein beachtliches Werk in seiner Größe in der typischen Klinkerbauweise des 19/20. Jh. Die Lage selbst ist auch sehr beeindruckend: gelegen im Tal der Sächsischen Schweiz an der Sebnitztalbahn.
Nach meinem ersten Besuch in 2014, kurz nach der Beendigung der dortigen Linoleumproduktion, war ich erschrocken dass bereits ein Großteil des Metalls entsorgt wurde.
Wer noch etwas von der gesamten Anlagen sehen will sollte sich beeilen, denn die Entkernung geht zügig voran.

Einige Fotos anbei.

Viel Spaß.

Ein Link der die Ansicht auf einer Postkarte zeigt: http://www.sebnitztalbahn.de/z027.html
 

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Die Abrissarbeiten bzw. Entkernung ist immer noch in Gange (Stand 03/2016) aber wie man sieht gibt es noch einiges zu entdecken.
Da das Gelände ja auch riesig ist, wird es wohl noch etwas dauern. Wir sprachen mit dem Entsorger, die Fabrik soll wohl verkauft werden.

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Aktuell wurde diese Fabrik verkauft und es laufen Aufräumarbeiten
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Der Zustand des Areals ist unverändert, kann zufällig jemand was zur Steuerung der Technik mit den speziellen Lochkarten sagen?

Hersteller: Pfister PEMATIK ?

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Diese "Lochkarten" kamen dann in diesen Steuerschrank:
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Frage zum Verständnis » sind das spezielle Karten aus Plastik ?

Das war offenbar (laut KI) tatsächlich eine spezielle pneumatische Anlagensteuerung. Hier für explosionsgefährdete Produktionsräume, wie diese vor Ort ja waren » Lösungsmittel geschwängert. Kein Strom, kein Funke - aber gleichzeitig recht komplex.

Diese Karten wären real ziemlich rar geworden. Ich muss das erstmal einordnen.

mfg Frank
 
Frage zum Verständnis » sind das spezielle Karten aus Plastik ?

Das war offenbar (laut KI) tatsächlich eine spezielle pneumatische Anlagensteuerung. Hier für explosionsgefährdete Produktionsräume, wie diese vor Ort ja waren » Lösungsmittel geschwängert. Kein Strom, kein Funke - aber gleichzeitig recht komplex.

Diese Karten wären real ziemlich rar geworden. Ich muss das erstmal einordnen.

mfg Frank

Danke Frank, ja die Karten waren aus Plastik. Von der Größe her etwas kleiner als A4.
 
Es lagen neben den Lochkarten auch Leiterplatten rum, erstaunt war ich auf einigen Chips "TESLA" zu lesen.

Google sagt "traditionsreichen tschechoslowakischen Elektronikkonzern Tesla a.s. (ursprünglich Technika slaboproudá), der als Großserienhersteller ein wichtiger Bauteillieferant im sozialistischen Wirtschaftsraum (RGW) war."

Freihändig habe ich kein scharfes Foto vom Chip mit Aufdruck hinbekommen, kann also nichts zeigen.

Grüße
 
Google sagt "traditionsreichen tschechoslowakischen Elektronikkonzern Tesla a.s. [...] ein wichtiger Bauteillieferant im sozialistischen Wirtschaftsraum (RGW) war."

Ja, das kann ich bestätigen. In unserer Familie hatten wir im Laufe der Jahre zwei Tesla-TV's. Das war relativ früh, so zwischen 1965 & 1975.
Schade wegen der möglichen Bilder.
 
hallo Frank, ein Kollege hat Bilder davon gemacht, ich bin sicher wenn er diesen Beitrag liest stellt er ein Bild ein.

Grüße
 
Die Recherche zum Thema war ein klassisches Beispiel dafür, warum man KI-Resultate hinterfragen und mehrfach, dies auch an unterschiedlichen Tagen und unterschiedlich nuanciert, nachfragen sollte. Aber ohne KI wäre es vom Office aus nicht machbar gewesen. Es verbleiben bei mir Ungewissheiten in Details zu Nachfolgenden »

• Die Fabrik wurde ab 1901 errichtet, die Produktion bestand anfangs aus Papier-und Pappenherstellung. Bald wurde der Schwerpunkt auf Kunstleder- und Wachstucherstellung gelegt. 1921 begann die Produktion von Tisch- und Drucklinoleum. Von 1939 - 1945 wurde auf Kriegsproduktion für die Junkers-Werke Dessau umgestellt. In den Hallen wurden in dieser Zeit vorwiegend Flugzeugmotoren montiert. Die zugehörigen Maschinen und Anlagen wurden 1945/46 durch die SMAD demontiert und in die UdSSR verbracht.

• Die Linoleumproduktion wurde in der DDR wieder aufgenommen, bedingt durch die demontierten Anlagen mit viel freiem Platz für Anlagen. Ab 1965 begann man eine umfassende Erneuerung der Anlagen und Erweiterung der Produktion, insbesondere auf andere beschichtete Materialien. Der Fabrikkomplex wurde technologisch auf das Walzen, Beschichten und Bedrucken von Trägermaterialien spezialisiert. Das waren insbesondere Kunstleder, Wachstücher, beschichtete Gewebe (Spezialstoffe für industrielle Zwecke, die wasserabweisend oder besonders strapazierfähig waren). Es wurde auf elektronisch gesteuerte Produktionsanlagen umgestellt.

• Ab hier kommen die angefragten Lochkarten des Systems Pfister PEMATIK ins Spiel. Hersteller war die Firma Pfister Waagen GmbH Augsburg. Eines der weltweit führenden Unternehmen der industriellen Wäge- und Dosiertechnik. Marktführer in Deutschland bei Straßen- und Gleisfahrzeugwaagen. Das System PEMATIK wurde bis Mitte der 1980er Jahre produziert.

• Der genannte Steuerschrank war der Lochkartenleser und war ein reines Eingabemedium, er las nur das Rezept aus.

Die eigentlichen Bedienelemente befanden sich separat auf dem Haupt-Steuerpult des Mischmeisters bzw. direkt an den Schaltschränken der Pfister-Anlage.

• Im Lochkartenleser wurde durch manuelles Umlegen des Hebels im Inneren des Lesers eine Trägerplatte mechanisch nach unten gedrückt. Diese Hebelwirkung presste die gefederten Kontaktstifte mit Druck durch die Löcher der Karte auf die darunterliegende Leiterplatte. Solange der Hebel umgelegt war, war die Karte mechanisch im Schlitz blockiert. Sie konnte während des automatischen Abwiegens der Farbpigmente und des Weichmachers nicht versehentlich herausgezogen werden, was die Anlage beschädigt oder das Rezept ruiniert hätte.

• Die PEMATIK-Steuerung war so präzise, dass sie Mikromengen an Farbpigmenten aufs Gramm genau in die großen Mischkessel dosieren konnte. Die Kodierung per Lochkarte garantierte, dass bei jeder Charge exakt das gleiche Rezept angesteuert wurde, menschliche Fehler beim Abwiegen waren so ausgeschlossen.

• zu den Matrix-Lochreihen »
- eine Lochreihe steuerte das Gewicht des Trockenpigments
- eine andere Reihe bestimmte die Menge des Weichmachers
- weitere Löcher gaben der Anlage vor, wie lange der Mischvorgang dauern musste und wann Ventile zu schließen waren (hierzu wird die anfangs erwähnte Pneumatik genutzt)

Die KI meint, dass historische Dokumente und Berichte über den VEB Linoleumwerk Kohlmühle belegen, dass die DDR ab den späten 1960er Jahren massiv in das Werk investierte und zu großen Teilen Technologien und Großanlagen aus der BRD importierte.

Sie fragte mich mehrfach ob auf den Karten noch etwas im Bereich 'Rezept' lesbar wäre. Also ich lese da 'Trockenpigment für Tarnbehälter', was die KI zu euphorischen Anmerkungen verleitete. Originalzitat »
... mit dem Foto der Karte und dem Wissen um diesen Hebel-Leser eines der letzten unberührten Details der dortigen Rüstungs- und Spezialproduktion für die NVA fest. Es zeigt eindrucksvoll, wie mit robuster westdeutscher Mechanik im Sebnitztal geheimes Militärmaterial dosiert wurde.
MW wurden maximal Teile von Produktionsanlagen im westl. Ausland beschafft. Darauf weisen ja auch die Leiterkarten mit Tesla-IC's hin. Die Karte Tesla1 (@Klondike/@klausm) zeigt mE eine Schaltung zur Umsetzung analoger Signale auf Digitale.

Danke Martin für diese interessante Aufgabe !

pfister_rezept.jpg
 
Trockenpigment: Da wird ein Farbstoff ohne das später hinzuzufügende flüssige Bindemittel (Azeton, Öl, Wasser o.ä.) zusammengemischt. Mehr würde ich da nicht hineingeheimnissen wollen.
Tarnbehälter: Auch darauf würde ich nicht viel geben, weil: Die NVA hat ein Heiden-Geheim-Gedöhns gemacht: Produkt 944 und solche lustigen Bezeichnungen. Warum soll ausgerechnet so einem zivilen VEB gesagt werden, dass das zusammenzumischende Farbpulver für Buna-Grün für Tarnbehälter gedacht ist?
Interessanter ist die Frage, was LK321 sowie FP/TP Uni DOP(C) gewesen sein mag.
 
Interessanter ist die Frage, was LK321 sowie FP/TP Uni DOP(C) gewesen sein mag.
Die KI meinte dazu was von schnöder Abkürzung »
Lochkarte #321
TP - Trockenpigment
Uni - ohne Kommentar.
DOP(4) - als technische Abkürzung von Weichmachertyp
am Ende von Rezept steht noch die Ziffer #3

Ich kenne das schon so, dass NVA-Farbtonbestellungen von Lacken etc. eine Nummernangabe hatten mit der allg. Zusatzangabe für welches Material/oder als Auftrag auf welches Material. Tarnbehälter ist ja auch nur allgemein. Insofern, ja nichts Besonderes.
 
Frank K: ich möchte mal kräftig danke sagen für deine Informationen in #12, sehr interessant!!

ich habe leider nur 1 Farb Bild, ist ein aufgeplatzter Rohmaterial Sack, hoffe es ist in etwa zu erkennen wie intensiv der Farbton ist,
es wirkte auf mich als wenn es blendet

Grüße
 

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