Die Recherche zum Thema war ein klassisches Beispiel dafür, warum man KI-Resultate hinterfragen und mehrfach, dies auch an unterschiedlichen Tagen und unterschiedlich nuanciert, nachfragen sollte. Aber ohne KI wäre es vom Office aus nicht machbar gewesen. Es verbleiben bei mir Ungewissheiten in Details zu Nachfolgenden »
• Die Fabrik wurde ab 1901 errichtet, die Produktion bestand anfangs aus Papier-und Pappenherstellung. Bald wurde der Schwerpunkt auf Kunstleder- und Wachstucherstellung gelegt. 1921 begann die Produktion von Tisch- und Drucklinoleum. Von 1939 - 1945 wurde auf Kriegsproduktion für die Junkers-Werke Dessau umgestellt. In den Hallen wurden in dieser Zeit vorwiegend Flugzeugmotoren montiert. Die zugehörigen Maschinen und Anlagen wurden 1945/46 durch die SMAD demontiert und in die UdSSR verbracht.
• Die Linoleumproduktion wurde in der DDR wieder aufgenommen, bedingt durch die demontierten Anlagen mit viel freiem Platz für Anlagen. Ab 1965 begann man eine umfassende Erneuerung der Anlagen und Erweiterung der Produktion, insbesondere auf andere beschichtete Materialien. Der Fabrikkomplex wurde technologisch auf das Walzen, Beschichten und Bedrucken von Trägermaterialien spezialisiert. Das waren insbesondere Kunstleder, Wachstücher, beschichtete Gewebe (Spezialstoffe für industrielle Zwecke, die wasserabweisend oder besonders strapazierfähig waren). Es wurde auf elektronisch gesteuerte Produktionsanlagen umgestellt.
• Ab hier kommen die angefragten Lochkarten des Systems Pfister PEMATIK ins Spiel. Hersteller war die Firma Pfister Waagen GmbH Augsburg. Eines der weltweit führenden Unternehmen der industriellen Wäge- und Dosiertechnik. Marktführer in Deutschland bei Straßen- und Gleisfahrzeugwaagen. Das System PEMATIK wurde bis Mitte der 1980er Jahre produziert.
• Der genannte Steuerschrank war der Lochkartenleser und war ein reines Eingabemedium, er las nur das Rezept aus.
Die eigentlichen Bedienelemente befanden sich separat auf dem Haupt-Steuerpult des Mischmeisters bzw. direkt an den Schaltschränken der Pfister-Anlage.
• Im Lochkartenleser wurde durch manuelles Umlegen des Hebels im Inneren des Lesers eine Trägerplatte mechanisch nach unten gedrückt. Diese Hebelwirkung presste die gefederten Kontaktstifte mit Druck durch die Löcher der Karte auf die darunterliegende Leiterplatte. Solange der Hebel umgelegt war, war die Karte mechanisch im Schlitz blockiert. Sie konnte während des automatischen Abwiegens der Farbpigmente und des Weichmachers nicht versehentlich herausgezogen werden, was die Anlage beschädigt oder das Rezept ruiniert hätte.
• Die PEMATIK-Steuerung war so präzise, dass sie Mikromengen an Farbpigmenten aufs Gramm genau in die großen Mischkessel dosieren konnte. Die Kodierung per Lochkarte garantierte, dass bei jeder Charge exakt das gleiche Rezept angesteuert wurde, menschliche Fehler beim Abwiegen waren so ausgeschlossen.
• zu den Matrix-Lochreihen »
- eine Lochreihe steuerte das Gewicht des Trockenpigments
- eine andere Reihe bestimmte die Menge des Weichmachers
- weitere Löcher gaben der Anlage vor, wie lange der Mischvorgang dauern musste und wann Ventile zu schließen waren (hierzu wird die anfangs erwähnte Pneumatik genutzt)
Die KI meint, dass historische Dokumente und Berichte über den VEB Linoleumwerk Kohlmühle belegen, dass die DDR ab den späten 1960er Jahren massiv in das Werk investierte und zu großen Teilen Technologien und Großanlagen aus der BRD importierte.
Sie fragte mich mehrfach ob auf den Karten noch etwas im Bereich 'Rezept' lesbar wäre. Also ich lese da 'Trockenpigment für Tarnbehälter', was die KI zu euphorischen Anmerkungen verleitete. Originalzitat »
... mit dem Foto der Karte und dem Wissen um diesen Hebel-Leser eines der letzten unberührten Details der dortigen Rüstungs- und Spezialproduktion für die NVA fest. Es zeigt eindrucksvoll, wie mit robuster westdeutscher Mechanik im Sebnitztal geheimes Militärmaterial dosiert wurde.
MW wurden maximal Teile von Produktionsanlagen im westl. Ausland beschafft. Darauf weisen ja auch die Leiterkarten mit Tesla-IC's hin. Die Karte Tesla1 (
@Klondike/
@klausm) zeigt mE eine Schaltung zur Umsetzung analoger Signale auf Digitale.
Danke Martin für diese interessante Aufgabe !
